Magen-Entsäuerung

In einem nüchternen Magen sorgt die Magensäure, auch Hydrochlorsäure (HCl) genannt, mit einem pH-Wert zwischen 1,0 und 1,5 für einen sehr sauren Zustand, der nur von Batteriesäure übertroffen wird. Während der Verdauung kann der pH-Wert der Magensäure bis auf 3 ansteigen. Die im Magen arbeitende Magensäure hat die Aufgabe, Eiweiße aus der Nahrungsaufnahme vorzuverdauen, feste Essensbestandteile aufzubrechen und mit der Nahrung aufgenommene Krankheitskeime abzutöten. All das kann aber nur geschehen, wenn der pH-Wert des Mageninhaltes nicht übermäßig verdünnt wird und nicht wesentlich über pH 3 ansteigt. Die im Mund vorverdaute Nahrung verdünnt bereits die Magensäure. Wenn wir jetzt zusätzlich Flüssigkeit hinzufügen, dann steigt der pH-Wert unseres Mageninhaltes noch weiter an und ab einem pH-Wert von 4 sind bereits die ersten Gär- und Fäulniskeime lebensfähig und können agieren. Zudem kann die zugeführte Nahrung nur mangelhaft weiter aufgespalten werden, je höher der pH-Wert ansteigt. Folglich ist es für die Verdauung nicht gerade förderlich, wenn wir Wasser oder andere Getränke direkt zum Essen zu uns nehmen.

Daher lautet die Empfehlung:

  • 30 Minuten vor einer Mahlzeit,
  • während einer Mahlzeit und
  • 30 Minuten nach einer Mahlzeit

sollte man keine Flüssigkeit, in welcher Form auch immer, zu sich nehmen. Doch was machen wir? Wir sind es gewohnt, zum Essen etwas zu trinken. Zudem benutzen wir Flüssigkeit/Getränke, um die meist nicht ausreichend lange zerkaute Nahrung besser hinunterschlucken zu können. Folglich kauen und speicheln wir unsere Nahrung im Mund nicht ausreichend lange ein, so dass sie nur ungenügend mit den im Mund befindlichen Verdauungsenzymen versetzt wird. Dann verdünnen wir auch noch unseren Magensaft mittels zugeführter Flüssigkeiten und sorgen so dafür, dass der pH-Spiegel ansteigt. Das wiederum führt zu einer ungenügenden Weiterverdauung im Magen mit vielen Konsequenzen. Eine davon kennen bereits viele, das weit verbreitete Sodbrennen, wenn Magensäure in den Schluckkanal aufsteigt. Das führt oftmals zur fälschlichen Folgerung, dass zu viel Magensäure im Magen sei (vgl. dazu auch die Ausführungen zu den unzureichenden Verdauungsschritten in Kapitel 5: Wie entsteht Krankheit?).

Sehen wir uns das Sodbrennen und seine Ursachen etwas genauer an: Erhebungen zeigten, dass in Deutschland ca. jeder Dritte an Sodbrennen mehr oder minder oft leidet, in den USA sind es bereits 40 – 45 % der Bevölkerung, wobei eine eindeutig zunehmende Tendenz in Richtung Alter zu verzeichnen ist. Das bedeutet, dass ca. 25 Mio. Bundesbürger überwiegend regelmäßig Medikamente einnehmen, die die Magensäure reduzieren. Wenn sich in unserem Magen, wie wir meinen, zu viel Magensäure befindet, dann meldet er sich in der Regel mittels eines Brennens in der Speiseröhre, das von der konventionellen Medizin als Übersäuerung des Magens diagnostiziert wird. Einer solchen Übersäuerung, wenn es denn tatsächlich eine ist, kann man leicht begegnen, indem man säurebindende Produkte zu sich nimmt, z. B. Natron, unter dem Namen Kaiser Natron ist es vielen Menschen ein Begriff. Der chemische Name dafür ist Natriumhydrogencarbonat, weitere gängige Namen sind doppeltkohlensaures Natron oder Natriumbicarbonat und wir finden es auch im Backpulver. Aber bitte achten Sie darauf, dass eine zu hohe und vor allem regelmäßige Einnahme von Natron schnell zu einer gegenteiligen Reaktion unseres Magens führt. Bei einem zu schnellen Abbau des Säurespiegels wird unser Magen angeregt, weitere Magensäure zu bilden. Dies führt dann zu einem erneuten Anstieg der Magensäure und damit zu einem weiteren oder sogar zu einem dauerhaften Sodbrennen. Das wird von der konventionellen Medizin allgemein als Übersäuerung des Magens (es sei zu viel Magensäure vorhanden) diagnostiziert und mittels entsprechender säurebindender Medikamente behandelt.

Nun muss man hier klarstellen, dass ein hoher Säure-Spiegel im Magen nicht immer mit zu viel Säure im Magen gleichzusetzen ist. Im Gegenteil, je höher der Säure-Spiegel und damit der pH-Wert im Magen ist, umso weniger sauer ist es dort und je niedriger der Säure-Spiegel, umso höher ist die Säure-Konzentration. Daher gilt:

Je niedriger der pH-Wert des Magensaftes ist, umso besser kann er den zugeführten Nahrungsbrei weiter aufspalten und uns vor mitgeführten, uns schädigenden Krankheitskeimen schützen.

In den meisten Fällen liegt aber gar keine sogenannte Übersäuerung vor (also ein Zuviel an Magensäure), sondern eine viel zu geringe Menge an Magensäure. Mit zunehmendem Alter lässt nämlich die Produktion an Magensäure nach, d. h. je älter wir werden, desto weniger Magensäure wird gebildet. Im Detail bedeutet dies:

Jugendliche   20 Jahre produzieren ca. 230 ml Magensäure /Std.
Mittelalter     40 Jahre produzieren ca. 150 ml Magensäure /Std.
Ältere ab      60 Jahre produzieren ca. 100 ml Magensäure /Std.

Kann dann eine Überproduktion von Magensäure, insbesondere mit zunehmendem Alter, die primäre Ursache eines Magensäure-Überschusses und damit die Ursache des sogenannten Sodbrennens sein? Wenn der Magen unter einem Mangel an Magensäure leidet, kann es zur Gärung des unverdauten Speisebreis kommen. Durch kräftige Muskelbewegungen versucht der Magen, den Speisebrei mit der unzureichenden Menge an Magensäure in Berührung zu bringen. Weil eine ausreichende Menge an Magensäure fehlt, müssen die Speisen länger im Magen verweilen. Es kommt zu einer Fermentation und zu Gärprozessen, die zur Bildung von organischen Säuren und Gasen führen. Die starke Kontraktion der Wandmuskulatur des Magens schiebt diese organischen Säuren, die durch die Gärung entstanden sind, hinauf in die Speiseröhre. Der Patient nimmt das als Sodbrennen wahr und die Behandlung der konventionellen Medizin wird mittels eines Säureblockers vorgenommen.

Betrachten wir uns dies etwas genauer: Magensäure wird in den Magenschleimhautzellen (den Belegzellen) gebildet, man nennt diesen Vorgang auch die Protonen-Pumpe. Entsprechend gibt es Medikamente, die als Protonen-Pumpen-Hemmer (PPH) bekannt sind. Sie werden oft dann zur Einnahme verordnet, wenn ein dauerhaftes Sodbrennen vorliegt. Damit unterbindet oder schränkt man die Produktion von Magensäure ein. Jetzt wird aber mit zunehmenden Alter ohnehin schon weniger Magensäure produziert und das bisschen, was noch hergestellt wird, wird nun mittels der PPH fast gänzlich unterdrückt. Ohne ausreichende Magensäure kann jedoch die zugeführte Nahrung nicht aufgeschlossen und verarbeitet werden. Sie liegt dann im Magen herum und da nicht ausreichend Magensäure vorhanden ist, steigt der pH-Wert des Mageninhaltes an. Ab einem pH-Wert von über 4 können die ersten Fäulnis- und Gärprozesse in Gang gesetzt werden.

Zusammenfassend laufen im Magen also folgende Phasen ab, wenn nicht genug Magensäure vorhanden ist:

  1. Die zugeführte Nahrung einschließlich der Getränke verdünnen den ohnehin bereits wenigen Magensaft und erhöhen damit den pH-Wert.
  2. Bei einem erhöhten pH-Wert, etwa ab pH 4 aufwärts, können bereits Gär- und Fäulnisbakterien existieren und damit in der zugeführten Nahrung Gär- und Fäulnisprozesse in Gang setzen.
  3. Diese Gär- und Fäulnisprozesse wiederum erzeugen Gase, die ein aufgeblähtes Völlegefühl hervorrufen und damit Druck auf den Mageneingang ausüben.
  4. Ein niedriges Säureniveau hat Auswirkung auf die Muskulatur des Mageneinganges, die sich stärker zusammenzieht, je saurer es ist. Steigt jedoch der pH-Wert im Magen, desto „lappriger“ wird die Muskulatur und verschließt den Mageneingang nicht mehr fest genug. Das hat zur Folge, dass Magensäure als Sodbrennen bzw. Mageninhaltsstoffe als sogenannter Reflux, unterstützt durch eine bereits beginnende Gär- und Fäulnisgasbildung, leicht nach oben in die Speiseröhre eindringen, ein Brennen erzeugen und nebenbei einen unangenehmen Mundgeruch verursachen kann.
  5. Diese Mageninhaltsstoffe empfinden wir immer als sauer, unabhängig davon, ob sie einen pH-Wert von 3 oder 5 haben, es brennt zuerst einmal äußerst unangenehm. Unsere Speiseröhre ist nicht gegen Magensäure geschützt, egal welchen pH-Wert unterhalb von 7 sie hat.

Sodbrennen wird also nicht primär durch zu viel an Magensäure hervorgerufen, sondern in den meisten Fällen durch zu wenig an Magensäure.

Folglich müssen wir nicht die schon eingeschränkte Magensäure-Produktion zusätzlich durch Medikamente reduzieren, sondern wir müssten Magensäure zuführen, damit sich erst gar keine Gär- und Fäulnisprozesse entwickeln können. Magensäure ist Hydrochlorid (HCl) und das kann man von außen zuführen, um die Produktion der Magensäure anzuregen, damit ausreichend zur Verdauung zur Verfügung steht. Am besten nimmt man bereits vorsorglich zu jedem üppigen Essen ein wenig der HCl-Produkte zu sich, anstatt sich die PPH einzuverleiben, wenn man unter regelmäßig auftretendem Sodbrennen oder Reflux leitet.

Diese HCL-Produkte findet man als Betaine HCl bei einigen Anbietern auf dem Markt.

Wie kann ich feststellen, ob ein Magensäure-Mangel vorliegt oder nicht?

Dazu gibt es einige Test-Möglichkeiten, die man auch zuhause selber durchführen kann.

Rote Bete-Test: Wenn sich nach dem Trinken von 100 ml frischem Rote Bete-Saft der Urin oder Stuhl dunkellila oder rot verfärbt, dann ist dies ein recht brauchbares Indiz für einen Magensäuremangel.

Natron- Test: Direkt nach dem Aufstehen wird 1 Teelöffel Natron in einem Glas Wasser aufgelöst und die Mischung getrunken. Kommt es in den nächsten fünf Minuten durch die chemische Reaktion zu mehrmaligem Aufstoßen oder Rülpsen, ist die Magensäure vermutlich in Ordnung. Bleibt hingegen alles ruhig, kann dies auf einen Mangel hinweisen (Quelle: Barrier Plan von Micki Rose auf http://trulyglutenfree.co.uk).

Pentagastrin-Test: Zur Bestimmung des Salzsäuregehaltes im Magensaft kann der sogenannte Pentagastrin-Test angewendet werden. Der Arzt verwendet dazu eine Magensonde, die über den Mund oder die Nase in den Magen geführt wird. Dann verabreicht er das Hormon Pentagastrin. Es stimuliert die Magendrüsen und regt sie zu einer vermehrten Ausschüttung von Salzsäure an. Der Arzt saugt davor und danach mehrmals Magensaft ab. Mit Hilfe dieses Tests wird die Säureproduktion vor und nach der Stimulierung der Magendrüsen durch ein Labor ermittelt.

Blut-Test: Den Magensäurestatus kann man beim Arzt über einen Bluttest feststellen lassen. Dazu werden die Werte HTC (Holo-Transcobalamin) und MMS (Methylmalonsäure) gemessen, welche Aufschluss auf den Status der Magensäure-Produktion geben können.

Einige allgemeine Tipps, um fehlende Magensäure zu kompensieren:

  • In Ruhe essen und gründlich kauen
  • Nicht zu den Mahlzeiten trinken
  • Meer-/Himalaya-Salz zum Würzen verwenden
  • Apfelessig für Ihre Salate verwenden
  • Fermentiertes (Sauerkraut etc.) konsumieren
  • Bitterstoffe nutzen (Artischockenblätter, Löwenzahn etc.)

Eine aktive Unterstützung erzielen wir mit folgenden Maßnahmen:

  • Michsauer vergorene Säfte, z. B. Sauerkrautsaft, frischer Weißkohlsaft oder Löwenzahnsaft
  • Betaine HCL-Produkte